Prolog
Was diese Seite ist — und warum
„AKTE EINTRACHT" richtet sich an Lover und Hater der SGE. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.
Solide geht anders, langweilig aber auch. Der „FC Hollywood" vom Main. Europa-League-Sieger 2022, legendärer Europapokal-Triumph 1980, aber auch Abstiege, Finanzchaos und Trainer-Karussell. Eintracht Frankfurt ist der Verein, der wie kein anderer zwischen Ekstase und Ernüchterung pendelt — und dessen Fans das Spiel zum Erlebnis machen.
Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Eintracht ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.
Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.
Akte Eintracht ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.
Steckbrief
Daten, Fakten und Ereignisse
Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse
Eintracht Frankfurt - früher auch Sportgemeinde Eintracht oder kurz SGE - ist einer der großen Traditionsvereine im deutschen Fußball. Die Vereinsfarben sind Rot-Schwarz-Weiß. Das Vereinswappen trägt den Frankfurter Adler (in Rot-Weiß).
Die Spielkleidung ist traditionell schwarz-rot oder schwarz-weiß. Die Heimspiele der Fußballprofis werden in der Commerzbank-Arena ausgetragen, die früher Waldstadion hieß und im Frankfurter Stadtwald in Sachsenhausen-Süd liegt. Die Arena bietet 51.500 Zuschauern Platz und ist bei beiden Weltmeisterschaften in Deutschland 1974 und 2006 Austragungsstätte.
Eintracht Frankfurt hat mehr als 80.000 Mitglieder (Stand: Dezember 2019) und ist damit auf Platz neun im Ranking der mitgliederstärksten Sportvereine Deutschlands. Die „gewinnorientierte" Profifußball-Aktiengesellschaft von Eintracht Frankfurt wird am 1. Juli 2000 gegründet. Anteilseigner sind mit 67,88 % der eingetragene Verein Eintracht Frankfurt, mit 18,55 % die Freunde des Adlers GmbH (Philip Holzer und Stephen Orenstein), mit 10,00 % die Freunde der Eintracht Frankfurt AG (Bankhaus Metzler, DZ Bank, Landesbank Hessen-Thüringen und BHF-Bank) und mit 3,57 % die Wolfgang Steubing AG.
Seit dem 1. September 2015 wird die AG von einem Vorstand bestehend aus drei Personen geführt. Dieser wird durch einen neunköpfigen Aufsichtsrat kontrolliert, dem Vertreter des Eigentümers (also des Vereins), der Stadt Frankfurt und dem Bundesland Hessen angehören.

Good to Know
Was wenige wissen
Seit den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts kämpft die Eintracht immer mal wieder wieder um ihre sportliche und wirtschaftliche Existenz. Dabei hat der Verein ziemlich spezielle Typen angezogen: als Spieler, als Manager und als Präsident.Das ist bekannt. Weniger bekannt sind die speziellen Umstände der Inthronisation des wohl skandalträchtigsten Präsidenten der Frankfurter. 1988 steigt Matthias Ohms, der „5-Milliarden-Dollar-Mann", wie der Devisenhändler spöttisch vom Frankfurter Boulevard genannt wird, als Vizepräsident von Joseph Wolf ein. 1983 hat sich Ohms erstmals als „Gönner" hervorgetan und der klammen SGE ein „zinsloses Darlehen" über 1,1 Millionen Mark gewährt. Nobel, nobel. Was heute Wenige wissen: Die Inthronisierungsversammlung der SGE am 14. November 1988 ist speziell, es fliegen die Fäuste. Der bei den Fans extrem unbeliebte Autowaschanlagen-Besitzer Wolf, dessen Wahl ein gewisser Moritz Hunzinger mit einer Wortmeldung am Mikrofon noch verhindern will, hält sich genau neun Tage im Amt.
Ohms dagegen verantwortet bis zu seinem Rücktritt nach dem Bundesliga-Abstieg 1996 und einem erfolgreichen Misstrauensvotum das bis heute erfolgreichste wie traurigste Kapitel der Eintracht in der Bundesliga. Er passt mit einer Mischung aus Großmannssucht, Rotlicht-Milieu und zweifelhaften Personalentscheidungen perfekt zum Skandalverein vom Main. In Spitzenzeiten beschäftigt das „Finanzgenie" Ohms in seinen Büroräumen in der Schillerstraße bis zu 100 Devisenhändler. Seine Tagesumsätze liegen bei kolportierten fünf Milliarden US-Dollar30. Dass er nach Übernahme des Präsidentenamtes 1988 „Rückkehr zur Ruhe" anmahnt, ist blanker Hohn. 13 Tage später wird Trainer Pal Csernai entlassen. Die späteren Trainer-Entscheidungen mit Jörg Berger, Dragoslav Stepanovic und Klaus Toppmöller bescheren der Eintracht unter Ohms die erfolgreichsten Jahre ihrer Bundesliga-Historie.
DER SPIEGEL fasst das besondere Eintracht-Ambiente unter Ohms wie folgt zusammen: „Unter der Führung von Ohms ging „Frankfurts Geldadel mit dem Nachtadel eine fatale Kumpanei ein." Ein offenes Geheimnis, das sich in der Eintracht-Szene zur Amtszeit Ohms zugeraunt wird: Im Haus von Ohms steigen auch während seiner Abwesenheit Partys mit Personen aus der Rotlicht-Szene – und wertvolle Eintracht-Unterlagen werden zeitgleich aus seinem Safe gestohlen. Irgendwann Anfang der Neunziger Jahre beginnt der berufliche Abstieg von Ohms. Die Frankfurter Großbanken entziehen ihm nach und nach die Aufträge, Ohms muss seine Firma verkaufen und kassiert 2010 eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die auf Bewährung ausgesetzt wird. Ohms hat falsche eidesstattliche Erklärungen abgegeben. Nur einer seiner zahllosen Skandale. Dazu kommen – wir halten uns knapp – zinslose Kredite an Spieler, Verhandlungen mit nicht lizenzierten Spielerberatern, dubiose Quittungen über Schmiergeldzahlungen, Provisionszahlungen an „Unbekannt". Das volle Programm.
Eintracht Frankfurt vereint wie kaum ein anderer Klub in der Bundesliga Triumph und Tragik. Die „launische Diva" versteht es in ihrer turbulenten Liga-Historie immer wieder, sicher geglaubte Erfolge zu verspielen – und bietet ihren Hatern damit allerbesten Stoff. Umgekehrt kann sich der Verein auch immer wieder aus scheinbar aussichtslosen sportlichen Situationen herauswinden. Häufig verdrängt wird im Eintracht-Umfeld dabei gerne, dass es der Verein mit deutschen Meisterschaften nicht so hat. Nur im Jahr 1959 gelingt der Titelgewinn durch ein 5:3 im Finale gegen Kickers Offenbach. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass der Verein um ein Haar bereits 1932 Deutscher Meister geworden wäre. Wenn er auch das zweite Spiel binnen sechs Wochen gegen den FC Bayern München gewonnen hätte. Am 1. Mai 1932 schlagen die Hessen im Endspiel um die Süddeutsche Meisterschaft den FC Bayern mit 2:0. Es ist ein Skandalspiel. Die Eintracht geht durch zwei Tore des Schweizers Dietrich noch in der ersten Hälfte in Führung. Die Bayern werden in der zweiten Halbzeit stärker und fühlen sich durch den Schiedsrichter benachteiligt. Die Münchner Fans stürmen kurz vor Schluss das Spielfeld. Sieben Minuten vor Ende der regulären Spielzeit wird die Partie abgebrochen. Im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft kommt es am 12. Juni zur schnellen Revanche. Mit 2:0 triumphieren die Münchner vor 55.000 Zuschauern. Erst nach dem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft wird die Eintracht zum Sieger des Spiels am 1. Mai erklärt, der FC Bayern erhält eine Geldstrafe.
Auch wenig bekannt. Die Eintracht hält einen ganz speziellen Rekord in der Bundesliga. Per Dezember 2019 ist sie der Verein, der in der Addition von Toren und Gegentoren die meisten Tore und Gegentore in einer Bundesliga-Saison geschossen/erhalten hat. 83 Tore schießt der Verein in der Bundesliga-Saison 1981/82. 72 Gegentore kassiert er. Das sind zusammen 155 Tore.

30. Was als Devisenhändler mit den entsprechenden Hebeln, mit denen in der Regel gehandelt wird und im Intra-Day Handel gar nicht so schwer ist.↩
Für die Hater
Peinliche Katastrophen und große Niederlagen
Zwei Mal 0:7: Die größten fußballerischen Peinlichkeiten in der Bundesliga stellen die beiden 0:7-Rekord-Niederlagen beim 1. FC Köln (1983/84) und zu Hause gegen den Karlsruher SC (1964/65) dar. Fast genauso peinlich ist das 0:6 am 13. April 1991 gegen den Hamburger SV. Im Anschluss wird Trainer Jörg Berger unmittelbar nach der Pressekonferenz gefeuert. Die Mannschaft ist von Manager Klaus Gerster vorab darüber informiert worden, dass der Trainer im Falle einer Pleite gehen muss – und liefert wohl demonstrativ eine Nicht-Leistung ab. Diesen Verdacht äußert Berger jedenfalls auf der Pressekonferenz und zielt auf die „Gerster-Boys" Andreas Möller und Manfred Binz.
0:5 im UEFA Cup: Auf internationaler Ebene bedeutet das 0:5 beim dänischen Außenseiter Bröndby IF im UEFA-Cup in der gleichen Saison, 1990/91, einen sportlichen Tiefpunkt.
Die längste Niederlagenserie: Sieben Niederlagen in Folge kassiert Eintracht Frankfurt vom 12. bis zum 18. Spieltag in der Saison 1999/00.
Die meisten Niederlagen: 20 Niederlagen kassiert Eintracht Frankfurt in der Saison 2003/04.
Die längste Serie an hintereinander nicht gewonnenen Spielen: 17 Spiele bleibt die SGE in der Bundesligasaison 1983/84 vom 6. bis zum 22. Spieltag ohne Sieg.

1:6 gegen einen Drittligisten: 1996 und 2000 geht Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal in der 1. bzw. 2. Runde mit 1:6 beim damaligen Zweitligisten SV Meppen und der 2. Mannschaft des VfB Stuttgart unter. Das ist die höchste Pokalpleite eines Bundesligisten bei einem Drittligisten. Als Titelverteidiger scheitert man 2018 am Südwest-Regionalligisten SSV Ulm 1846 (1:3), ebenfalls in Runde 1.
Es gibt kein Rostock und es gab nie ein Rostock: Den 16. Mai 1992 hat man bei Eintracht Frankfurt aus der Vereinschronik gestrichen. Weg, einfach weg! Im Eintracht-Museum in der Commerzbank Arena ist ein leerer Kasten Platzhalter, bei der Statistikseite eintracht-archiv.de verdeckt ein schwarzer Balken das, was beim 1:2 bei Hansa Rostock passiert. Die Eintracht verspielt am 38. Spieltag der Saison 1991/92 die sicher geglaubte Deutsche Meisterschaft. Gegen die tapfer kämpfenden Ostsee-Kicker hilft auch ein Bittgang von Co-Trainer Charly Körbel zur Hansa-Bank während der Partie nichts. Am Ende sind Spieler, Verantwortliche und Tausende von mitgereisten Fans sowie die Anhänger beim Public Viewing in der Frankfurter Innenstadt untröstlich.
Abstieg 1995/96: Die erste Frankfurter Abstiegs-Saison 1995/96 bringt mit 32 Punkten die bis dahin schlechteste Ausbeute der SGE-Ligageschichte mit sich. Mit nur sieben Siegen, darunter immerhin ein 4:1 gegen den FC Bayern, wird der Negativ-Rekord aus den Spielzeiten 1985/86 und 1983/84 eingestellt.
Schlechter geht nicht? Doch! Die Abstiegs-Saison 2003/04 stellt aus Frankfurter Sicht einige Negativ-Rekorde auf bzw. ein. Nie verliert die Eintracht häufiger (20-mal) und nur 2000/01 steht sie auf Platz 17 so schlecht wie in der Aufstiegs-Spielzeit unter Coach Willi Reimann. Ab dem 25. Spieltag (0:2 bei Borussia Dortmund) setzt es acht Niederlagen aus den letzten zehn Spielen. Während der gesamten Saison steht Frankfurt nie besser als Platz 13.
Für die Lover
Wichtige Triumphe und große Erfolge
UEFA Cup 1979/80: Der größte internationale Erfolg von Eintracht Frankfurt ist der Gewinn des UEFA-Pokals in der Saison 1979/80. Im einzigen deutsch-deutschen Finale in diesem Wettbewerb bezwingen die Hessen Titelverteidiger Borussia Mönchengladbach (2:3 / 1:0). Dank der Auswärtstorregel geht der Pokal an die Eintracht, die das Rückspiel zu Hause mit 1:0 gewinnt. Held des Abends ist Fred Schaub, der vier Minuten nach seiner Einwechslung das Tor seines Lebens (81. Minute) schießt.
Fünf Erfolge im DFB-Pokal: National stellen fünf Erfolge im DFB-Pokal (1974, 1975, 1981, 1988, 2018) und vor allem der Gewinn der Deutschen Fußball-Meisterschaft 1959 die größten Triumphe der Vereinshistorie dar.
Deutscher Meister gegen die Offenbacher Kickers: Die Deutsche Meisterschaft, am 28. Juni 1959 in Berlin mit einem 5:3 nach Verlängerung gegen Kickers Offenbach herausgeschossen, hat etwas Besonderes. Es ist das einzige Hessen-Derby in der Geschichte der deutschen Meisterschaftsendspiele.
Europacup der Landesmeister: Ein Jahr später erreicht Eintracht Frankfurt als erste deutsche Mannschaft ein Europapokalfinale. In Glasgow unterliegen Weltmeister Alfred Pfaff, Friedel Lutz und Co. allerdings dem „weißen Ballett" von Real Madrid klar mit 3:7. Es ist das bis heute torreichste Europacupfinale aller Zeiten – vor der Rekordkulisse von 127.621 Zuschauern im Hampden Park. Die Verlierer werden trotzdem euphorisch in Frankfurt empfangen.
Keine Panik auf der Titanic: Daniel Stolpe führt die Partie Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC 1. FC Kaiserslautern (5:1) am 29. Mai 1999 in seinem Nachschlagewerk „50 Jahre Bundesliga. Die Geschichte. Die Legenden. Die Bilder (2013)” unter der Rubrik: „Das besondere Spiel" – und das ist noch leicht untertrieben. Die Eintracht liefert bei hochsommerlichem Wetter einen epischen Kampf – und rettet sich aus schier aussichtsloser Lage noch vor dem Abstieg. Im Fernduell mit vier anderen Klubs, von denen zum Ende des Spieltags nur der 1. FC Nürnberg (1:2 gegen den SC Freiburg) übrigbleibt, braucht man einen Sieg mit vier Toren Unterschied. Das 3:1 von Marco Gebhardt fällt erst in der 80. Minute. Bernd Schneider (82.) und Jan-Aage Fjörtoft per Übersteiger (89.) machen die Sensation perfekt. Der coole Stürmer aus Norwegen preist anschließend Retter-Coach Jörg Berger:" Er hätte auch die Titanic gerettet."

„Fußball 2000″: „Die Eintracht verkörpert einen ganz bestimmten Spiel-Stil. Und der heißt: Schöner Fußball", hat SGE-Klubidol Jürgen Grabowski einmal gesagt. „Grabi" muss es ja wissen und nie kommt die Eintracht diesem Ideal näher als 1991/92. In der Mammut-Saison nach der sportlichen Wiedervereinigung (38 Spieltage) spielt die Mannschaft von Trainer Dragoslav „Stepi" Stepanovic nicht Fußball, sondern zelebriert ihn! „Fußball 2000″, so taufen die Medien diesen Offensiv-Stil. Anthony Yeboah (15 Saisontreffer), Lothar Sippel (14), Andreas Möller (12) und Co. bilden mit 76 Treffern die beste Offensive der Liga. Wäre die Saison nach 34 Spielen zu Ende gegangen, hätte Frankfurt den ersten Meistertitel in der Bundesliga sicher gehabt…
Oko-Cha-Cha-Cha: Es gibt nur wenige Eintracht-Treffer, die häufiger im TV wiederholt werden, als das unwiderstehliche Dribbel-Tor des nigerianischen Fußball-Zauberers Augustine „Jay-Jay" Okocha vom 31. August 1993 beim 3:1 gegen den Karlsruher SC und Torhüter Oliver Kahn. Okocha tanzt im KSC-Strafraum fünf Gegenspieler aus, täuscht immer wieder einen Schuss – und zieht erst dann ab. Während SAT-1-Reporter Jörg Dahlmann am Mikro ausflippt ("Die Zeit für meinen Bericht ist zwar abgelaufen, aber egal, sollen sie mich rausschmeißen, ich zeige Ihnen die Szene jetzt nochmal"), bleibt Okocha erfrischend sachlich: „Ich habe gewartet, bis ich ein Loch finde, dann habe ich das Tor geschossen."
Die Euro-Adler: Das hat es in einer Gruppenphase der Champions League oder der Europa League für einen deutschen Verein noch nie gegeben. In der Saison 2018/19 bleibt Eintracht Frankfurt in der Europa-League-Gruppe H mit Olympique Marseille (2:1 / 4:0), Lazio Rom (4:1, 2:1) und Apollon Limassol (2:0, 3:2) ohne Punktverlust. Beflügelt von diesem Rekord, fliegen die „Euro-Adler" mit Luka Jovic und Co. bis ins EL-Halbfinale, wo sie erst im Elfmeterschießen am späteren Sieger Chelsea London scheitern.
Der Relegations-Meister: Kein anderer Klub beweist in den Relegationsspielen zur Bundesliga so eine große Nervenstärke wie die Frankfurter Eintracht. Dreimal treten die Hessen in der Relegation an (1984, 1989 und 2016) – wie auch der 1. FC Saarbrücken und der 1. FC Nürnberg. Allerdings gelingt es nur Frankfurt, alle drei Duelle für sich zu entscheiden und immer in der Bundesliga zu bleiben.
Most Important Persons
Diese Typen prägen den Verein
der Stolze:Von 1990 bis 1995 stürmt der Ghanaer für die Eintracht. Insgesamt 123 Mal läuft er im Eintracht-Dress in der Bundesliga auf und erzielt 68 Treffer für die Hessen. Gemeinsam mit Uwe Bein und Andreas Möller bildet er das „magische Dreieck”. Sein Erfolg in der Bundesliga macht ihn zum Nation…
Heinz Körber – der Treue:„Charly" Körbel spielt während seiner Profikarriere ausschließlich für Eintracht Frankfurt und hält mit 602 Spielen den wohl ewigen Rekord nach Einsätzen in der Bundesliga. Ebenfalls besonders: In all seinen Pflichtspielen, wozu auch sechs A-Länderspiele zählen, fliegt er ni…
die Ikone:Pfaff ist der erste von drei Fußballweltmeistern von Eintracht Frankfurt. Pfaff ist Mitglied der deutschen Nationalelf, die 1954 Ungarn im Endspiel mit 3:2 schlägt. Er kommt in der Vorrunde im bedeutungslosen Spiel gegen Ungarn (3:8) zum Einsatz und erzielt in der 26. Minute das Tor zum 1:…
heul doch!Der gebürtige Frankfurter wechselt 1981 vom Lokalrivalen BSC Schwarz-Weiß als Junior zur Eintracht und steigt vier Jahre später, nach dem A-Junioren Meistertitel, in den Profikader auf. Er bleibt noch zwei Jahre, bevor er sein Glück in Dortmund sucht. Noch zwei weitere Male unterschreibt „…
der schillernde Typ:Der Ungar verlässt nach dem Volksaufstand seine Heimat und trifft am 17. Dezember 1956 am Frankfurter Hauptbahnhof ein. Der schillernde Typ fällt nicht nur durch sein Outfit auf. Nach Ablauf seiner Sperre spielt er von 1957 bis 1959 erstmals bei der Eintracht, für die der Stürmer…
der Talentförderer:Der Mann, der ein Faible für die Jugend hat, ist noch 30 Jahre nach seinem Abgang am Main hochwillkommen. Weise trainiert die Eintracht gleich zweimal (1973-76 und 1983-87) und zeichnet für ihre ersten DFB-Pokalsiege (1974 und 1975) verantwortlich. 1976 wechselt er nach 1. FC Kais…

Personae Non Gratae
Diese Typen sind unbeliebt
der schwarze Abt:Der ehemalige Co-Trainer der Eintracht macht als eher windiger Spielerberater von sich reden. Bekannt als „Schwarzer Abt”, von RTL auch mal in farblicher Abwechslung als „weißer Abt“ bezeichnet, dem die eigene Provision wichtiger als die Moral ist, macht er sich in Frankfurt viele F…
der Skandal-Schiri:Es ist der 16. Mai 1992, als Schiedsrichter Berg mit einem Nicht-Pfiff die Frankfurter für die kommenden Dekaden traumatisiert. Beim FC Hansa in Rostock bestreitet die Eintracht ihr letztes Saisonspiel und hat im Dreikampf mit Dortmund und Stuttgart die größten Chancen auf den Mei…
Die Erfolglosen:„Schluß mit dem FirleFANZ" und „ROHRkrepierer FirleFANZ" bilden 1999 nur die Spitze des kreativen Eisbergs der Eintracht-Fans. In Großbuchstaben machen sie auf Bannern - mehr oder weniger einfallsreich - ihrem Ärger Luft. Ihr Unmut richtet sich zunächst gegen Trainer Reinhold Fanz, d…
der Scherbenhaufen:Peinlich, peinlicher, Heynckes. „Wenn ich hier in Frankfurt anfange, werden die Uhren anders gehen", kündigt Jupp Heynckes bei seinem Amtsantritt als Frankfurter Trainer im Juli 1994 an. Am Ende steht der Verein vor einem Scherbenhaufen. Der ehemalige Bayern-Coach, der Stürmerstar…
der Mainzer:Michael Thurk ist ein Wanderer zwischen Mainz 05 und Eintracht Frankfurt. Und er ist eine Mainzer Spieler-Legende. Zwischen 1999 und 2006 absolviert er 202 Partien im Trikot der 05er und gehört zu den Helden des ersten Mainzer Bundesliga-Aufstiegs im Jahr 2004. Im Jahr 2006 wechselt Thur…
der Innenminister:Peter Beuth, Innenminister von Hessen im Jahr 2019 und die Frankfurter Fanszene sind nicht die besten Freunde. Vor dem Europa-League-Spiel gegen Schachtjor Donezk am 21. Februar 2019 kommt es zum Showdown im Eintracht-Stadion. Die Polizei beschlagnahmt ein Banner. Laut „Frankfurter…

Tragisch
Diese Personen hatten Pech
Cha Bum-kun - der Betrogene:Vom eigenen Vize-Präsidenten finanziell geschädigt. Eintracht-Vizepräsident Wolfgang Zenker hat in seiner Zeit als Repräsentant einer großen Immobilien-Gruppe ("Südfinanz") mehr als 80 Fußballprofis in riskante Investments mit so genannten „Bauherrenmodellen" gelockt. Er löst am Ende der schwachen Saison 1982/83 (Platz 10) einen Finanzskandal aus. Eine Affäre, die, wie Eintracht-Kultautor Ulrich Matheja in „Schlappekicker und Himmelsstürmer" (Verlag: DIE WERKSTATT, 2017) schreibt, „den Verein bis in die Grundfesten erschütterte." Auslöser ist ein Pfändungsbeschluss in Höhe von umgerechnet 100.000 Euro gegen Frankfurts koreanischen Stürmerstar Bum-kun Cha. „Cha-Bum" hat sich von Zenker zwei Häuser aufschwatzen lassen – und sich finanziell übernommen. Zenkers Motto: „Habe gekauft Grabowski, habe gekauft Pezzey, ist auch gut für Cha." War aber nicht gut für Cha! Nun stehen urplötzlich eine Pfändung seines Spielergehalts von 18.000 Euro und Zinsen in Höhe von 23.000 Euro auf dem Deckel. Da Cha bislang gar nichts gezahlt hat, wird das von einer Lübecker Bank für den Immobilien-Deal gegebene Darlehen über gut 100.000 Euro sofort fällig. Der unbedarfte Koreaner fühlt sich vom eigenen Vize-Präsidenten betrogen – und stellt ein Ultimatum. Zenker und SGE-Präsident Axel Schander treten umgehend zurück und stürzen den Verein in eine Führungskrise. Wen wundert’s, dass Cha nach Saisonende nach Leverkusen flieht?
Fred Schaub – der Autounfall:Fred Schaub kommt 1976 vom SV Neuhof zu Eintracht Frankfurt. Am 13. Januar 1979 debütiert er in der Bundesligamannschaft der Frankfurter und kommt bis zum Saisonende bei zehn Einsätzen auf zwei Tore. In der folgenden Saison ist Schaub lediglich ein Ergänzungsspieler und kommt auf nur sechs Bundesliga-Einsätze. Dennoch wird das Jahr sein erfolgreichstes: Im UEFA-Pokal Endspiel gegen Borussia Mönchengladbach wird Schaub im Rückspiel in Frankfurt in der 77. Minute für Norbert Nachtweih eingewechselt. Vier Minuten später erzielt er das einzige Tor des Spiels und macht die SGE zum UEFA-Cup Sieger. Am 22. April 2003 stirbt Fred Schaub bei einem Autounfall auf der A 7 in der Nähe von Fulda. Sein achtjähriger Sohn Louis, der später österreichischer Fußballnationalspieler wird und 2019/20 mit dem 1. FC Köln in der Bundesliga spielt, überlebt verletzt.

OMG — Oh My God
Das kann doch nicht wahr sein
Die Eintracht – Das ist manchmal „Zwietracht Zankfurt", oft aber auch ein echter Frankfurt-Krimi. Mal mit, mal ohne „Schattenmann", wie 1995 bei Dieter Wedels gleichnamigem Frankfurt-Mehrteiler.In den Hauptrollen: Ein mutmaßlicher Autoschieber, ein Vizepräsident, der die eigenen Spieler finanziell schädigt, ein ungarischer Rekord-Transfer, der nur geliehen ist, und ein Präsident aus dem Rotlicht-Milieu. Hier ist die Akte Eintracht F…
„Gottschalk Late Night" mit Gaudino: Nein, die Zeit von Maurizio Gaudino bei der Eintracht ist keine Erfolgsstory, sondern eher eine Crime Story made in Bembeltown! 1992 vom VfB Stuttgart geholt wird der Nationalspieler im Dezember 1994 unmittelbar nach der RTL-Talkshow Gottschalk Late Night verhaftet. Die Begründung: Verdacht auf Versicherungsbetrug mit als gestohlen gemeldeten Autos aus den Jahren 1992/93. Moderator Thomas Gottschalk reagiert schlagfertig: „Der übliche Weg ist es ja, erst verhaftet zu werden und dann in eine Talk-Show zu gehen. Dass das jetzt andersherum abläuft, ist mir auch neu." Auch für Gaudino-Berater Wolfgang Fahrian gilt die Unschuldsvermutung: „Ich kenne Maurizio schon lange, Autoschiebereien traue ich ihm nicht zu." Das Amtsgericht Mannheim schon, Gaudino erhält 1996 eine Geldstrafe von umgerechnet 90.000 Euro.
Gekündigt: Doch der „Scheppe" macht nicht auf! Hoch verschuldet trotz des Verkaufs von Superstar Lajos Detari, der die Hessen nach nur einer Saison (33 BL-Spiele / 11 Tore) verlässt, fliegt am 13. September 1988 Trainer Karl-Heinz Feldkamp. Er hat sich geweigert, einen Spieler zu verpflichten, den er vorher nicht gesichtet hatte. Fünf Tage später leistet sich Eintracht Frankfurt eine Peinlichkeit auf Schildbürger-Niveau. Man entlässt Manager Wolfgang „Scheppe" Kraus. Zuvor hat Kraus den umstrittenen Eintracht-Präsidenten Dr. Klaus Gramlich in einem streng vertraulichen und dann doch an die Öffentlichkeit gelangten Brief regelrecht an die Wand genagelt: „Er hat von Fußball sowieso keine Ahnung, ist ein Selbstdarsteller, lebt über seine Verhältnisse und rechnet private Kosten über die Eintracht ab." Die Entlassung folgt auf einzigartige Weise. Da Kraus seine Haustüre nicht öffnet, wird ihm die fristlose Kündigung von Vizepräsident Klaus Mank nach mehreren vergeblichen Versuchen durch das Toilettenfenster zugestellt! Kraus dazu 1999 in der HR3-Dokumentation „Eine Diva wird 100″: „Die fristlose Kündigung ist am richtigen Ort gelandet: In meiner Gäste-Toilette."
Die Detari-Millionen oder „Es ist alles nur geliehen": Der Ungar Lajos Detari hat Eintracht Frankfurt 1988 per Freistoßtor gegen den VfL Bochum zum DFB-Pokalsieger gemacht. Mitte Juli 1988 erklärt der Spielmacher seinen Abschied – und wechselt zehn Tage vor Saisonstart für umgerechnet acht Millionen Euro zu Olympiakos Piräus! Schon im Januar 1988 berichtet BILD am SONNTAG, dass die Transferrechte für Detari gar nicht bei der Eintracht, sondern beim ungarischen Fußballverband lägen. Das bestätigt Detari Jahre später. „Ich war nicht von Frankfurt gekauft worden, sondern nur vom Verband ausgeliehen", sagt der Mittelfeldspieler zu 11 FREUNDE. Das gilt auch für die 16 Millionen Mark, die aus Piräus kommen. Diese landen nicht in Frankfurt. „Das war ein super Geschäft für den ungarischen Verband und den Sportminister, der sagt: Wir wollen, dass du in Griechenland spielst", bekennt Detari.31
31. Übrigens: Es gibt auch Frankfurter Kreise, die behaupten, dass die SGE nicht ganz leer beim Detari-Transfer ausgegangen sei.↩

Fun Facts
Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs
Vier Trainer: In der ersten Bundesliga-Saison nach dem Aufstieg aus der 2. Bundesliga hat Eintracht Frankfurt 1998/99 zum bisher einzigen Mal vier Trainer in einer Saison. Nach der Entlassung von Horst Ehrmantraut im Dezember betreut Co-Trainer Bernhard Lippert das Team, gefolgt von Reinhold Fanz und Jörg Berger. Im letzten Spiel schafft der Verein durch ein 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern den Klassenerhalt.
Quälix rettet die Eintracht: In der Saison 1999/00 steht der Verein, dem vom DFB im Frühjahr zwei Punkte wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten abgezogen werden, am Ende der Hinrunde auf dem letzten Platz. Retter Jörg Berger muss gehen. „Feuerwehrmann" Felix Magath übernimmt und rettet die Eintracht. Sie spielt die drittbeste Rückrunde und sichert sich durch einen 2:1-Erfolg gegen den direkten Konkurrenten SSV Ulm 1846 den Klassenerhalt.
Doch es geht auch anders herum: 2001 hat die Eintracht weniger Glück und steigt zum zweiten Mal in die Zweite Liga ab. In die Saison startet sie zwar gut (Platz fünf am 13. Spieltag), danach folgen jedoch sechs Niederlagen in Folge, die im Februar zur Entlassung von Trainer Felix Magath führen. Weder Sportdirektor Rolf Dohmen noch Friedel Rausch können den Abstieg verhindern.
„Rückrunde der Schande": In der Saison 2010/11 zeigt der Verein, dass er es noch schlechter kann. Nach einem schwachen Saisonstart, als in den ersten fünf Spielen nur drei Punkte gewonnen werden, befinden sich die Hessen auf einem Abstiegsplatz. In den folgenden Spielen zeigt die „Diva vom Main" ihr strahlendes Gesicht und belegt nach einem zwischenzeitlichen vierten Platz zum Ende der Hinrunde mit 26 Punkten Platz sieben. In Theofanis Gekas steht auch der zur Winterpause erfolgreichste Stürmer der Liga in ihren Reihen (14 Tore). Trotz der sehr guten Ausgangslage schafft die Eintracht noch den Abstieg. In den ersten acht Spielen nach der Winterpause gelingt dem Team kein einziges Tor. Zehn Spiele bleibt man sieglos. Am 22. März 2011 erfolgt die Trennung von Michael Skibbe trotz eines Sieges über den FC St. Pauli (2:1). Zum Nachfolger wird Christoph Daum ernannt. Doch es hilft nichts. Mit einem neuen Negativrekord der Klubgeschichte von acht Punkten in „der Rückrunde der Schande" (Frankfurter Rundschau) steigt die Eintracht in die 2. Bundesliga ab.
Ein richtiger Adler: Seit 2005 hat der Verein ein lebendiges Maskottchen, den Steinadler Attila aus dem Hanauer Wildpark. Der Greifvogel ist bei jedem Heimspiel mit Falkner Norbert Lawitschka live im Stadion mit dabei und beißt nicht. Jedenfalls keine Eintrachtler, Trainer Adi Hütter lässt ihn schon mal auf seine Schulter und berührt ihn nach erfolgreichen Spielen besonders gern. Thomas Schaaf, 2014/15 Trainer der Hessen, sagt über Attila: „Ein Adler ist unwahrscheinlich elegant, fast majestätisch. Attila ist ein wunderschönes Tier."

Pech mit dem Partner: Als Partner des Vereins lackiert Aero Flight 2005 einen Airbus A 320 in den Farben von Eintracht Frankfurt. Der „stählerne Adler" wird nach der Insolvenz von Aero Flight von der Leasingfirma zurückgeholt und anderweitig verleast. Schriftzug und Adler werden im Dezember 2005 entfernt.
Das Stadion als Museum: Seit 2007 existiert im Inneren der Haupttribüne des Stadions ein Museum, in dem Eintracht-Ikonen die Vereinsgeschichte erklären.
Die Deutsche Bahn: Als sogenannter Premium-Partner gestaltet die DB Ende August 2012 eine Elektrolokomotive der DB-Baureihe 101 im Eintracht-Frankfurt-Design.
Mitglied auf Lebenszeit: Seit 2012 kann man für einen Beitrag von 1899 Euro (das Gründungsjahr der Eintracht) eine lebenslange Mitgliedschaft im Verein abschließen. Erstes lebenslanges Mitglied der Eintracht wird Sebastian Vettel. Der muss allerdings nichts zahlen. Auch Pokalsiegertrainer Niko Kovac schließt eine lebenslange Mitgliedschaft ab, ehe er zu den Bayern geht.
Special Moments
Die Uhren gehen anders und Jupp Heynckes ruiniert die Mannschaft
In seiner Praxis in der Nähe des Münchner Marienplatzes erhält FC Bayern-Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt an einem Sommertag im Jahr 2013 unvermutet Besuch. Vor seiner Tür steht Jupp Heynckes, 68, Ex-Trainer des FC Bayern München. Bevor sich der Trainer-Veteran in den Ruhestand verabschieden wird, hat er mit den Münchnern Historisches geschafft. Mit der Deutschen Meisterschaft, dem 2:1 gegen Borussia Dortmund im „deutschen Finale" der Champions League und dem 3:2-Erfolg gegen den VfB Stuttgart im DFB-Pokalfinale hat Heynckes den FC Bayern zum ersten „Triple" in der Vereinsgeschichte geführt. Es ist die Krönung seiner Trainer-Laufbahn. Im Stil eines Grandseigneurs bringt „Don Jupp", der München in Richtung seines Bauernhofs in Schwalmtal bei Mönchengladbach verlassen wird, den Henkelpott, die Meisterschale und den DFB-Pokal mit in die Praxis von Müller-Wohlfahrt. „Er wollte unbedingt, dass auch ich und alle meine Mitarbeiter in der Praxis zu unserem Triple-Foto kamen", erzählt Müller-Wohlfahrt, den alle nur „Mull" nennen, im Juni 2018 in BILD.
Eine große Geste von einem Mann, der gezeigt hat, dass er sich wandeln kann. Der gereift zu sein scheint wie guter Wein. Vom Trainer-Novizen mit der ungelenken Rhetorik ("Ich muss sagen, ich bin der Meinung" / „Daum hat Bundesliga PR-mäßig angeheizt") zum fast nicht mehr vermittelbaren Job-Hopper, der schon 2004 als „Trainer der alten Schule" (Zitat Rudi Assauer) abgestempelt ist, bis hin zum Trainer-Gentleman, dem sie in München zu Füßen liegen. Die Meisterschaft, die bis dahin früheste in der Bundesliga-Geschichte, feiert Heynckes mit den Bayern Anfang April mit einem 1:0 in Frankfurt.
Ausgerechnet Frankfurt! Nirgendwo hat „Don Jupp" eine größere Pleite erlebt als beim einstigen High Flyer des deutschen Fußballs aus Hessen32. Nirgends hat sich der Rheinländer in seiner Karriere unbeliebter gemacht als am Frankfurter Stadtwald. Bei keinem anderen Klub hat er durch sein stures Handeln mehr verbrannte Erde hinterlassen als in der Main-Metropole.
Der Heynckes, den die strengen Frankfurter Boulevardmedien und die verwöhnten Fans bei seinem Amtsantritt im Juli 1994 kennenlernen, hat nicht viel zu tun mit dem „relaxten" Trainerfuchs der späten Jahre. Heynckes wirkt oberlehrerhaft, beratungsresistent und unnahbar. „Wenn ich hier am 7. Juli anfange, werden die Uhren anders gehen", sagt er bei seiner Präsentation, „es ist selbstverständlich, dass, wenn ich in eine Meisterschaftssaison gehe, auch Meister werden will."
Ein Versprecher, der ihn teuer zu stehen kommen wird. Beim FC Bayern München hat er sich im Frühjahr 1990, nach der Deutschen Meisterschaft, schon einmal zu einer unbedachten Äußerung hinreißen lassen. „Ich verspreche Euch", ruft er den Bayern-Fans am Marienplatz zu, „dass wir im nächsten Jahr den Europapokal holen." Die Bayern-Stars um Klaus Augenthaler vernehmen es mit Achselzucken – am Ende wird es 1991 nur das Halbfinale und im Oktober gleichen Jahres muss Heynckes beim FC Bayern vorzeitig gehen. Der Weltmeister von 1974 arbeitet nach dem „Aus" bei den Bayern alsbald wieder, bei Athletic Bilbao im Baskenland.
Nach kurzer Zeit holt Eintracht-Vizepräsidenten Bernd Hölzenbein seinen ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Jupp Heynckes, mit dem er elfmal für Deutschland gespielt hat, in die Bundesliga zurück. Eintracht Frankfurt hat eine turbulente Saison hinter sich. Der ambitionierte Klub aus Hessen hat nach der „Herbstmeisterschaft" 1993 einen fatalen Absturz hingelegt. „Aus" im UEFA-Cup-Viertelfinale gegen „Casino" Salzburg, am 10. April 1994 die Entlassung von Trainer Klaus Toppmöller und Kapitän Uli Stein, Wechsel von Regisseur und Weltmeister Uwe Bein nach Japan. Der Wunsch der Frankfurter Verantwortlichen: Bitte nicht noch ein Jahr FC Hollywood am Main! Heynckes, so hofft man, „soll Ruhe in den Verein bringen." Insgeheim schielen Hölzenbein und Co auf die Deutsche Meisterschaft, die Frankfurt 1992 und 1994 grandios vergeigt hat. Vielleicht statten sie den Disziplinfanatiker ("Da müssen sich einige Herren umstellen") auch deshalb bis zur Selbstaufgabe mit allen möglichen Kompetenzen aus.
Das mit der „Ruhe im Verein" wird man schnell zu den Akten legen „Dies", bilanziert man bei RAN – SAT 1-Fußball später gewohnt blumig, „ließ selbst sieben Jahre turbulente Stein-Zeit wie ewigen Frieden erscheinen." Es ist aber nicht nur Heynckes‘ Drohung, wonach die Uhren ab sofort anders gehen würden. „Ich bin nicht gekommen, um Vierter oder Fünfter zu werden", hält Heynckes mit seinen Ansprüchen nicht gerade hinterm Berg. Der Zuchtmeister lehnt Gaudinos Wechsel-Wunsch zum 1. FC Kaiserslautern, wenn man es so will auch ein „Moment, that changed the Club" für die Pfälzer, strikt ab – und macht sich direkt neue Freunde.
Der Start verläuft mies. 0:0 gegen Köln, 1:1 beim 1. FC Kaiserslautern und am 3. Spieltag spielt Bayer 04 Leverkusen mit den Altstars Bernd Schuster und Rudi Völler Eintracht Frankfurt mit 4:0 aus den Schuhen. Ein Detail fällt schon in diesem Spiel auf: Anthony Yeboah, der amtierende Bundesliga-Torschützenkönig, ist nicht im Kader. Dass etwas zwischen dem stolzen Torjäger aus Ghana und dem Erfolgstrainer Jupp Heynckes, bis dato zweimal Deutscher Meister mit den Bayern (1989 und 1990), ist, ahnen in Frankfurt zu diesem Zeitpunkt nur Insider. Offenkundig wird der Konflikt nach dem 0:3 gegen Bayer 05 Uerdingen am 24. September 1994 – mit zum Teil ungeheuerlichen Aussagen. „Wir haben letzte Saison sehr gut gespielt, aber jetzt haben wir dieses System (ein 3-5-2) nicht kapiert", klagt Yeboah bei RAN – SAT1-Fußball, „wir haben nicht die Erfahrung wie Barcelona." Heynckes kontert direkt. „Wir wissen, dass Yeboah grundsätzlich Schwierigkeiten hat, sich zu artikulieren", giftet er live bei SAT 1 im TV, „die Mannschaft setzt das Potenzial, was in ihr steckt, nicht um. Wir haben große Schwächen in der Defensive." Probleme mit dem System hat auch der „intellektuelle Vordenker" Thorsten Legat ("Kasalla"): „Wir spielen mit Viererkette, mehr weiß ich auch nicht." Heynckes ist empört: „Da sieht er die Dinge nicht richtig, bei einem solchen Missverständnis hätte er zu mir kommen müssen." Tut er aber nicht. Auch Maurizio Gaudino, Jay-Jay Okocha und Anthony Yeboah kommen nicht. Jedenfalls nicht zum Heimspiel gegen den Hamburger SV (2:0) am 3. Dezember 1994. Zuvor hat Heynckes sie zum „Straftraining", einem 30-minütigen Waldlauf geschickt, worauf sich die Leistungsträger kurzfristig abgemeldet haben. Yeboah erklärt dem Trainer, er werde zum Spiel gegen den HSV nicht erscheinen. Okocha gibt vor, mental nicht in der Lage zu sein, Fußball zu spielen und Gaudino fühlt sich nach zwei Trainingseinheiten am Freitag körperlich kaputt. Eintracht Frankfurt reagiert. Gaudino und Yeboah fliegen raus, Okocha wird in der Rückrunde begnadigt. Mit dem Rauswurf von Torversicherung Yeboah (sieben Treffer in 14 Liga-Spielen 1994/95) und Spielmacher Gaudino ("Heynckes kann mit Stars nicht umgehen") sägt sich der Verein selbst den Ast ab. Gaudino und Yeboah wechseln nach England, zu Manchester City und Leeds United. Immerhin: Leeds zahlt mit umgerechnet 3,25 Mio. € Ablöse eine angemessene Summe für die Torjäger-Dienste von Anthony Yeboah. „Der Rauswurf war völlig unnötig und ein großer Fehler. Er hat mit dieser Aktion den Klub Frankfurt auf Jahre kaputtgemacht", kritisiert Yeboah seinen Ex-Coach Heynckes noch Jahre später. In der Saison nach dem Heynckes-Desaster steigt Eintracht Frankfurt erstmals aus der Bundesliga ab.

„Ich bin weg aus Frankfurt und er kann nun zeigen, was für ein Weltklasse-Trainer er ist", gibt Gaudino Heynckes aus Manchester noch einen mit. Dazu ist es zu spät. Am 2. April 1995 ist Heynckes‘ Uhr nach einem 0:3 gegen Schalke und Platz 13 in der Bundesliga in Mainhattan abgelaufen. Er holt seine Frau Iris nach Frankfurt, die ihm die offizielle Abschiedserklärung aufsetzt. „Für mich ist es selbstverständlich, auf die Abfindung zu verzichten", diktiert ihr Jupp Heynckes. Kolportiert werden umgerechnet 900.000 Euro. „Ich bin schockiert", sagt Manfred Binz, einer der wenigen Heynckes-Getreuen im Eintracht-Team, beim Blick auf die Rücktrittserklärung, „Heynckes war der beste Trainer, mit dem ich je gearbeitet habe." Das werden die Stars des FC Bayern München auch über „Don Jupp" sagen. Allerdings erst 23 Jahre später, als er sein Versprechen vom Marienplatz doch noch einlöst.
Für die Eintracht ist die Verpflichtung von Jupp Heynckes ein „very special moment". Sie markiert das Ende aller Meisterambitionen und den Beginn der Phase, in der der Verein zur Fahrstuhlmannschaft mutiert und um die wirtschaftliche und sportliche Existenz kämpfen muss. Manchmal passt es einfach nicht!
32. Außer vielleicht in Mönchengladbach im Jahr 2007.↩
Weise Worte
Zitate für die Ewigkeit
„Du musst de Gegner so früh wie möglich angreifen, am besten schon beim Ball aufpumpen. Dragoslav Stepanović
als Trainer bei Eintracht Frankfurt„Lebbe geht weider" Dragoslav Stepanović
nach der verlorenen Meisterschaft 1992 in Rostock„Nach hinten habe ich viel mit dem Auge gearbeitet." Uwe Bein
in einem Interview 2012 über seine Defensivqualitäten als Profi„Bruda, ich schlag den Ball lang!" Kevin-Prince Boatengs Antwort auf Ante Rebic vor dem DFB-Pokalfinale 2018 gegen den FC Bayern
Rebic entscheidet das Spiel mit zwei Toren fast allein„Von der Bank kam das Signal, dass wir noch ein Tor brauchen. Also habe ich noch eins gemacht." Jan-Aage Fjörtoft
nach dem 5:1 Sieg gegen 1. FC Kaiserslautern„Die Eintracht ist vom Pech begünstigt." Karl-Heinz Körbel
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